Angststörungen

    Angst vor der Angst – Der Teufelskreis der Erwartungsangst

    Gabriela Vollmert – Heilpraktikerin für Psychotherapie
    Gabriela Vollmert
    Heilpraktikerin für Psychotherapie
    18. Februar 20267 Min. Lesezeit
    Angst vor der Angst – Der Teufelskreis der Erwartungsangst

    Was ist Erwartungsangst?

    Erwartungsangst, auch „Angst vor der Angst" genannt, beschreibt ein Phänomen, bei dem nicht die eigentliche Situation gefürchtet wird, sondern die Angstreaktion selbst. Betroffene haben bereits eine oder mehrere Panikattacken oder intensive Angstepisoden erlebt und leben nun in ständiger Sorge, dass dies erneut geschehen könnte.


    Diese Form der Angst ist besonders tückisch: Sie kann den gesamten Alltag bestimmen, auch wenn gerade keine akute Bedrohung vorliegt. Das ständige „Auf-der-Hut-Sein" versetzt den Körper in einen dauerhaften Alarmzustand, der wiederum genau die Symptome hervorruft, die so gefürchtet werden.

    Der Teufelskreis der Erwartungsangst

    Die Erwartungsangst folgt einem typischen Muster, das sich selbst verstärkt:


    1. Auslöser: Eine Situation, ein Körpersignal oder ein Gedanke erinnert an die letzte Angstepisode.


    2. Katastrophengedanken: „Gleich passiert es wieder", „Ich werde die Kontrolle verlieren", „Ich halte das nicht aus."


    3. Körperliche Reaktion: Der Körper reagiert auf die Angstgedanken mit Herzrasen, Schwitzen, flacher Atmung, also genau den Symptomen, die gefürchtet werden.


    4. Bestätigung: „Es passiert tatsächlich wieder!", Die körperlichen Symptome werden als Beweis interpretiert, dass etwas Schlimmes bevorsteht.


    5. Vermeidung: Um weitere Episoden zu verhindern, werden bestimmte Orte, Situationen oder Aktivitäten gemieden. Der Lebensradius wird immer kleiner.


    6. Verstärkung: Durch die Vermeidung wird die Angst nicht abgebaut, sondern verfestigt. Der Teufelskreis schließt sich.

    Typische Anzeichen

    Erwartungsangst zeigt sich auf verschiedenen Ebenen:


    • Ständiges inneres Anspannungsgefühl und Nervosität

    • Vermeidung von Orten, an denen Panikattacken aufgetreten sind

    • Übermäßige Selbstbeobachtung des eigenen Körpers

    • Gedankenkreisen um mögliche Angstauslöser

    • Schlafstörungen durch Grübeln und Sorgen

    • Sozialer Rückzug aus Angst, „auffällig" zu werden

    • Abhängigkeit von Sicherheitssignalen (z. B. immer ein Medikament dabeihaben, nur bestimmte Wege nehmen)

    • Eingeschränkte Lebensqualität trotz seltener tatsächlicher Panikattacken


    Viele Betroffene beschreiben, dass nicht die Panikattacke selbst das größte Problem ist, sondern die ständige Angst davor.

    Ursachen und begünstigende Faktoren

    Erwartungsangst entwickelt sich meist aus einer Kombination verschiedener Faktoren:


    Lerngeschichte: Nach einer intensiven Angsterfahrung „lernt" das Gehirn, bestimmte Situationen oder Körpersignale als gefährlich einzustufen. Diese Konditionierung kann sehr hartnäckig sein.


    Persönlichkeitsmerkmale: Menschen mit hoher Sensibilität, Perfektionismus oder starkem Kontrollbedürfnis sind häufiger betroffen.


    Unbewusste Konflikte: Aus tiefenpsychologischer Sicht kann die Erwartungsangst auch ein Ausdruck ungelöster innerer Konflikte sein, etwa zwischen dem Wunsch nach Autonomie und der Angst vor Kontrollverlust.


    Stressbelastung: Chronischer Stress senkt die Angstschwelle und macht das Nervensystem empfindlicher für Angstreaktionen.

    Therapeutische Wege aus der Erwartungsangst

    In meiner Praxis in Diez arbeite ich mit einem integrativen Ansatz:


    Tiefenpsychologische Therapie: Wir erforschen die unbewussten Wurzeln der Angst. Oft verbirgt sich hinter der Erwartungsangst ein tieferes Thema, etwa die Angst vor Kontrollverlust, Hilflosigkeit oder Trennung. Wenn diese Grundkonflikte verstanden und bearbeitet werden, verliert die Angst ihre Grundlage.


    Hypnotherapie: In der therapeutischen Hypnose können wir neue innere Ressourcen aktivieren und die automatischen Angstreaktionen umprogrammieren. Sie lernen, Ihrem Körper wieder zu vertrauen und Sicherheit in sich selbst zu finden.


    EMDR: Falls traumatische Erlebnisse die Angst mitauslösen, kann EMDR helfen, diese zu verarbeiten und die emotionale Ladung zu reduzieren.


    Praktische Übungen: Ergänzend vermittle ich Atemtechniken, Grounding-Übungen und Achtsamkeitsstrategien, die Sie im Alltag sofort einsetzen können.


    Neue Wege im Umgang mit der Erwartungsangst sind möglich. Gerne begleite ich Sie auf diesem Weg, in meiner Praxis in Diez oder online.


    Wichtiger Hinweis: Körperliche Symptome wie Herzrasen oder Atemnot sollten zunächst ärztlich abgeklärt werden, um organische Ursachen auszuschließen.


    Die angewandten Verfahren gehören zur naturheilkundlichen Erfahrungsmedizin und sind wissenschaftlich nicht in jedem Fall anerkannt.


    Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle medizinische Beratung oder Diagnose.

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